REDAKTIONELLE GRUNDSÄTZE

Wie QUELLENSINN arbeitet

QUELLENSINN will Leserinnen und Lesern nicht vorgeben, was sie denken sollen.

Unser Anspruch ist ein anderer:

Quellen prüfen. Zusammenhänge sichtbar machen. Fakten, Aussagen und Interpretation voneinander trennen. Unsicherheit offen benennen. Der Leser entscheidet selbst.

GRUNDPRINZIP

Fakten vor Meinung

QUELLENSINN unterscheidet konsequent zwischen belegbaren Tatsachen, Aussagen von Personen oder Organisationen, journalistischer Analyse und offenen Fragen.

Eine Behauptung wird nicht dadurch zur Tatsache, dass sie häufig wiederholt wird.

Ebenso wird eine Aussage nicht automatisch falsch oder richtig, nur weil sie von einer bestimmten Partei, Institution, Zeitung oder Person stammt.

Entscheidend ist die Beleglage.

QUELLEN

Möglichst nah an das Original

Bei überprüfbaren Tatsachen versucht QUELLENSINN, möglichst nah an die ursprüngliche Quelle heranzugehen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Gesetze und Verordnungen
  • Gerichtsurteile
  • parlamentarische Drucksachen
  • Behörden und amtliche Statistiken
  • wissenschaftliche Originalpublikationen
  • Wahlprogramme
  • Originalreden
  • Pressekonferenzen
  • vollständige Interviews
  • Geschäftsberichte
  • Archive und Originaldokumente

Medienberichte können wichtige Hinweise und zusätzliche Einordnung liefern.

Wenn eine zugängliche Primärquelle existiert, soll sie jedoch nach Möglichkeit selbst geprüft werden.

Quellen werden nicht nur zitiert

Eine Quelle ist nicht allein deshalb verlässlich, weil sie offiziell, bekannt oder häufig zitiert ist.

QUELLENSINN fragt deshalb unter anderem:

  • Wer veröffentlicht die Information?
  • Worauf stützt sich die Aussage?
  • Wie aktuell ist die Quelle?
  • Ist das Originaldokument verfügbar?
  • Wurde vollständig oder nur ausschnittsweise zitiert?
  • Fehlt entscheidender Kontext?
  • Gibt es widersprechende Quellen?
  • Sind Zahlen und Vergleiche methodisch tatsächlich vergleichbar?

Bei wichtigen und umstrittenen Fragen werden nach Möglichkeit mehrere voneinander unabhängige Grundlagen geprüft.

TRANSPARENZ

Keine erfundenen Informationen

QUELLENSINN veröffentlicht keine erfundenen Fakten, Zahlen, Studien, Urteile, Dokumente, Zitate oder Quellen.

Kann etwas nicht zuverlässig festgestellt werden, wird das offen benannt.

Zum Beispiel:

„Dieser Punkt lässt sich anhand der verfügbaren Quellen nicht abschließend überprüfen.“

Unsicherheit ist kein redaktioneller Fehler.

Verschleierte Unsicherheit wäre einer.

Was wir wissen – und was nicht

Nicht jede Information besitzt denselben Grad an Sicherheit. Deshalb unterscheidet QUELLENSINN klar zwischen verschiedenen Ebenen:

  • belegt – durch belastbare Quellen nachvollziehbar bestätigt
  • dokumentierte Aussage – nachweisbar geäußert, aber nicht automatisch als Tatsache bestätigt
  • plausibel, aber nicht abschließend belegt – durch Hinweise gestützt, jedoch nicht vollständig verifiziert
  • umstritten – es existieren relevante widersprechende Darstellungen oder Bewertungen
  • ungeklärt – die vorliegenden Informationen erlauben keine verlässliche Schlussfolgerung
  • nicht überprüfbar – mit den verfügbaren Quellen derzeit nicht belastbar feststellbar

Am Ende als hervorgehobener Satz:

Eine Schlussfolgerung darf niemals stärker sein als die Quellen, auf denen sie beruht.

KONTEXT

Ein Zitat ist mehr als ein einzelner Satz

Öffentliche Debatten werden häufig durch einzelne Sätze geprägt.

Ein Zitat kann wörtlich korrekt sein und trotzdem ein falsches Bild vermitteln, wenn entscheidender Zusammenhang fehlt.

Deshalb prüft QUELLENSINN nach Möglichkeit:

  • Was wurde unmittelbar davor gesagt?
  • Was folgte danach?
  • Auf welche Frage reagierte die Person?
  • War die Aussage hypothetisch?
  • War sie Teil einer längeren Argumentation?
  • Wird das Zitat in Überschriften oder Beiträgen verkürzt wiedergegeben?
  • Verändert die Verkürzung seine Bedeutung?

Wenn sich die verbreitete Kurzfassung und der vollständige Kontext deutlich unterscheiden, gehört genau dieser Unterschied in den Artikel.

Überschriften tragen besondere Verantwortung

Viele Leser nehmen zunächst vor allem Überschrift, Vorspann, hervorgehobene Zitate oder Bildunterschriften wahr.

Deshalb dürfen diese Elemente einen Sachverhalt nicht stärker zuspitzen als der eigentliche Artikel.

Eine Überschrift muss:

  • sachlich korrekt sein
  • durch den Artikel belegbar sein
  • entscheidenden Kontext nicht verschweigen
  • Behauptungen nicht als Tatsachen darstellen

Am Ende als hervorgehobener Satz:

Irreführendes Clickbait hat bei QUELLENSINN keinen Platz.